Der Mann trägt den Namen Karl. Er ist ein

Mitläufer, der sich im Schutz der Dunkelheit

bewegt, immer nur so weit wie nötig. In den

Wäldern östlich von Salzburg, wo die Bäume

dichter stehen als die Menschen, schreibt er

Briefe an eine Frau, die er nie wiedersehen wird.

Sie heißt Anna, und sie hat ihn verlassen, als

die Welt noch nicht zerbrochen war.

In den Wäldern gibt es ein Geheimnis. Ein altes

Dorf, das nachts lebt. Die Bewohner sind keine

Menschen, sondern Seelen, die sich in Holz und

Stein verwandelt haben. Sie sprechen nicht, sie

schreien nicht. Sie warten. Und sie vergessen

nichts.

Karl wird eines Tages gesehen. Nicht von den

Wächtern des Dorfes, sondern von einem Jungen,

der in den Wäldern aufwächst und den Namen des

Vaters nicht kennt. Der Junge folgt ihm, bis

Karl ihn entdeckt. Er schreit, aber Karl sagt

nichts. Er nickt nur. Und der Junge sieht in

seinen Augen etwas, das er nicht erklären kann:

Schuld.

Die Schuld kommt zurück. Eine Gruppe von

Arbeitern, die im Bergbau tätig sind, findet

einen Tunnel unter dem Dorf. Sie glauben, es sei

ein Überbleibsel aus der Zeit der Habsburgs.

Doch die Erde spuckt etwas anderes aus. Einen

Leichnam, mit einem Ring an der Hand – der

gleiche Ring, den Karl vor Jahren verloren hat.

Die Arbeiter sagen, es sei ein Unfall gewesen.

Aber Karl weiß, dass es kein Unfall war.

Er wird verfolgt. Nicht von der Polizei, sondern

von den Seelen des Dorfes. Sie kommen in Form

von Wind, von Stimmen, von Schatten, die sich in

den Baumstämmen verstecken. Karl rennt, doch die

Wälder sind zu eng, die Bäume zu alt. Er kann

nicht fliehen.

Der Junge findet ihn. Er bringt ihn zum Dorf.

Die Seelen warten. Sie zeigen ihm, was geschehen

ist: Anna wurde getötet, weil sie den Ring fand,

den Karl verloren hatte. Sie wollte ihn

zurückgeben, doch Karl war zu spät. Er konnte

sie nicht retten. Die Seelen haben ihn nie

vergessen.

Karl bleibt. Er bleibt, um zu bezahlen. Er

bleibt, um zu lernen. Er bleibt, um zu sehen, ob

es noch Hoffnung gibt. Die Seelen geben ihm eine

Wahl: Er kann weiterleben, aber niemals wieder

in die Stadt gehen. Oder er kann sich selbst

befreien, indem er den Ring in den Fluss wirft

und sein Leben verlässt.

Er wirft den Ring. Der Fluss nimmt ihn. Und die

Wälder atmen wieder. Die Seelen verschwinden.

Der Junge geht fort. Karl bleibt. Aber er ist

nicht mehr der gleiche Mann. Er ist ein

Mitläufer, der endlich gelernt hat, was es

bedeutet, sich zu stellen.