Sie kam mit einem Koffer aus Stoff und drei

Äpfeln im Mantel, die schon faul waren, bevor

sie den Zug verließ. Maria Huber, siebzehn, aus

Kals, das jetzt nur noch ein Name auf einem

verrosteten Schild war. Die Alm war abgebrannt,

die Kirche ein Gerippe, die Bergbauernhöfe zu

Lagern für die neue Macht geworden — die

Bundespolizei, die nicht mehr Polizei war,

sondern die Hand des Staates, der sich weigerte,

den Krieg zu benennen.

Das Dorf hatte nicht mehr genug Holz für den

Winter. Also brannten sie die alten Stadel, die

Holzschnitzereien von Heiligen, die Liederbücher

der Großmütter — alles, was nach „alten Werten“

roch, die nicht zu den neuen gehörten. Die

Regierung nannte es „Entnazifizierung“. Die

alten Leute nannten es nichts. Sie starben still,

im Bett, mit dem Blick auf die Wand, wo ein

Kreuz gewesen war.

Maria wusste, dass ihr Vater nicht an Typhus

gestorben war. Er hatte den Namen eines SSMannes

aufgeschrieben, den er in Innsbruck gesehen

hatte — einen, der heute als

Landtagsabgeordneter in Wien wohnte. Sie trug

das Papier in ihrem Unterrock, festgenäht, wie

sie es von ihrer Mutter gelernt hatte, als sie

noch Brot backen durfte.

Als die Männer kamen, war es nicht mit Gewalt.

Sie brachten Kaffee und einen neuen Kugelofen.

„Für die Kinder“, sagten sie. Maria nahm den

Kaffee. Sie trank ihn langsam, während sie den

Ofen anzündete. Darin lag ein Sack mit den

letzten Bildern aus der Kirche — Heiligen, die

noch Augen hatten.

Am Morgen brannte der letzte Hof.

Sie sah, wie der Schornstein den Rauch nicht

nach oben, sondern nach unten zog — ein Phänomen,

das die Ingenieure der neuen

Elektrizitätsgesellschaft erklärt hatten: der

Wind, der durch die Täler zog, war nicht mehr

der alte. Die Berge waren verändert worden, mit

Tunneln, mit Kabeln, mit Maschinen, die das

Licht aus dem Himmel stahlen, um es in die

Städte zu pumpen. Die Luft war dichter geworden.

Die Schneeschmelze kam zu spät. Die Bäume

wuchsen krumm.

Niemand sprach davon.

Maria ging zur nächsten Haltestelle. Sie hatte

keinen Pass mehr. Nur das Papier im Unterrock.

Und den Namen ihres Vaters, den sie jetzt trug,

wie eine Wunde.

Dort, wo die Straße endete, stand ein Schild:

„Kals — Ein Dorf, das neu beginnt.“

Sie setzte sich auf den Stein, der einst ihr

Vater war, und wartete, bis der Schnee wieder

fiel — langsam, wie damals, als man noch glaubte,

die Berge würden ewig halten.

Der Ofen hatte alles verbrannt.

Aber nicht das, was sie wusste.