Nach dem Tod ihres Mannes, des Bergbauingenieurs,
nimmt Elise Klinger die letzte Ladung aus der
stillgelegten Kupfermine in Mürzzuschlag an —
nicht Metall, sondern vier Dampfzylinder aus dem
verbotenen Werk ihrer Familie, versteckt unter
Holzplanken. Die Republik hat den Bergbau nach
1923 verboten, aber die Fabrikanten der neuen
Elektrizitätskonzerne heimlich weiterbetrieben —
und wer sie baut, verschwindet.
Der skrupellose Fabrikant, Leopold Rainer, hat
ihren Mann zu Tode gequält, als er weigerte, die
Geheimkonstruktionen für die
DampfdruckGeneratoren zu verraten. Rainer
kontrolliert jetzt die Zollstellen am Semmering,
lässt jeden Lastwagen durchsuchen — doch die
Bergbahn, die alte Schmalspurbahn von
Mürzzuschlag nach Bruck an der Mur, läuft nur
noch nachts, von alten Bahnwärtern gefahren, die
noch an den Kaiser glauben. Die Weltmechanik:
Die Republik hat die Dampftechnik verboten, weil
sie Strom aus den Alpenkanälen nicht
kontrollieren kann — doch wer die Zylinder hat,
kann Strom erzeugen, ohne Leitungen. Jeder
Zylinder ist eine kleine Kraftstation,
unabhängig vom Netz.
Elise fährt mit dem alten Wagen, den ihr Mann
gebaut hat — ein Dampftriebwagen aus Holz und
Eisen, der nur bei Frost läuft, weil die
Kondensatoren sonst platzen. Sie startet um
Mitternacht, als der Schnee die Spuren deckt.
Drei Kilometer vor der ersten Kontrolle bricht
das Dach der Wagenkiste auf — ein Zylinder rollt
heraus, stürzt in den Schneebach. Sie holt ihn
mit bloßen Händen aus dem eisigen Wasser, die
Finger bluten, die Metallhülle ist kalt wie ein
Grabstein.
Rainer hat seine Leute an der nächsten Station
postiert. Ein junger Zöllner, Sohn eines
erschossenen Sozialisten, sieht den Schaden. Er
schweigt. Weiß, dass Rainer die Familie des
Ingenieurs ausgelöscht hat. Er öffnet die Kiste
nicht. Er sagt: „Kalt heute.“ — das ist alles.
Elise erreicht Bruck, als die erste Sonne über
den Tauern aufgeht. Sie schlägt die Zylinder in
einem verlassenen Bergbauernhaus ein — nicht zum
Verkauf, nicht für Rainer. Sie schließt sie an
die alte Wasserkraftanlage an, die ihr Mann vor
zehn Jahren gebaut hatte, bevor die Republik sie
abschaltete. Die Turbine dreht sich. Ein Licht
erlischt im Dorf — dann ein zweites. Dann zehn.
Die Leute kommen aus den Häusern, sehen das
Licht, das nicht vom Netz kommt. Keiner spricht.
Aber die Kinder laufen mit Kerzen zum Haus.
Der skrupellose Fabrikant wird es erfahren. Die
Zölle werden sich ändern. Die Republik wird
reagieren. Doch in diesem Moment, als der Dampf
durch die Rohre pfeift und die alten Holzbalken
im Haus wärmen, als das Licht auf den
Schneefeldern tanzt, als die Mutter im Dorf das
erste Brot im elektrischen Ofen backt — da weiß
jeder, was passiert ist.
Die Hoffnung liegt nicht im Widerstand. Sie
liegt im Licht, das niemand kontrollieren kann.


