Der Mann tritt am Morgen des 1. März 1947 im

Schnee vor das Haus seiner Kindheit. Die Fenster

sind verklebt, die Tür hängt schief. Er hat den

Namen des Ortes vergessen, aber nicht den Grund,

warum er wiederkam. In der Tasche trägt er ein

Messer, das er aus dem Schreibtisch seines

Vaters genommen hat, als dieser im April 1938

verschwand. Der Vater war ein Beamter, der nach

dem Anschluss in den Widerstand gegangen sein

soll. Niemand spricht darüber.

Im Dorf wird er von einem alten Bauern

angesprochen, der ihn mit einem Blick durchbohrt.

Der Mann fragt nach dem Verbleib des Vaters,

aber der Bauer nickt nur und deutet auf die

Berge. Einige Tage später findet der Mann einen

Brief unter dem Bodenbrett des Hauses. Er ist an

seine Mutter gerichtet, geschrieben in einer

Handschrift, die er nie kannte. Darin steht:

„Die Berge wissen, was sie sehen. Sie haben uns

alle gesehen.“

Er beginnt, die Gegend zu erkunden. Im Wald

stößt er auf eine alte Hütte, deren Tür mit

einem roten Kreuz verriegelt ist. Als er sie

öffnet, findet er darin eine Sammlung von

Fotografien – Menschen, die er nie gesehen hat,

aber deren Gesichter ihm vertraut vorkommen.

Eine davon zeigt seinen Vater, zusammen mit

einem Fremden, der eindeutig kein Bewohner des

Dorfes ist. Der Fremde trägt eine Uniform, die

nicht zur österreichischen Armee passt. Der Mann

zerreißt die Fotos und wirft sie ins Feuer. Doch

die Asche bleibt kalt.

Am dritten Tag trifft er auf eine Frau, die im

Dorf lebt, aber niemand kennt. Sie heißt Die

geheimnisvolle Fremde, und sie redet nicht viel.

Sie fragt ihn, ob er den Berg Schneeweiß kennt.

Er nickt. Sie sagt, dass dort ein Grab liegt,

das niemand besucht. Der Mann folgt ihr, obwohl

er weiß, dass es keine gute Idee ist. Auf dem

Gipfel findet er eine Steinplatte mit einer

Inschrift, die er nicht lesen kann. Die Frau

deutet auf eine Stelle, wo der Stein lose sitzt.

Unter dem Stein liegt ein Tagebuch, gefüllt mit

Notizen in einer fremden Sprache. Doch als er es

aufschlägt, erkennt er die Handzeichnung eines

Vogels – genau wie auf einem Foto in der Hütte.

Er bringt das Tagebuch nach Hause, aber die

Seiten beginnen sich zu verändern. Die Schrift

wird immer unlesbarer, bis sie schließlich

verschwindet. Die Frau kommt wieder, und diesmal

sagt sie: „Du hast das Ritual gestört. Jetzt

musst du es beenden.“ Der Mann fragt, was sie

meint. Sie antwortet nicht. Stattdessen geht sie

weg, und er bleibt allein mit dem Buch, das

nicht mehr existiert.

Am vierten Tag hört er einen Schrei aus der

Richtung der Hütte. Als er dort ankommt, ist sie

leer. Doch auf dem Boden liegt ein Blutpfad, der

zum Berg führt. Der Mann folgt ihm, obwohl er

weiß, dass er nicht zurückkehren wird. Auf dem

Gipfel steht die Frau. Sie hält ein Messer in

der Hand. Sie sagt: „Dein Vater hat dich

verlassen, aber er hat auch dich beschützt. Du

musst entscheiden, ob du den Berg verlässt oder

ihn für immer bleibst.“ Der Mann sieht sie an.

Dann wirft er das Messer in den Schnee. Die Frau

nickt. Sie geht. Der Berg bleibt still. Der Mann

bleibt. Die Berge wissen, was sie sehen. Sie

haben ihn gesehen.