Der gescheiterte Künstler trägt einen zerfetzten
Zeichenblock durch die Ruinen Wiens. In der
ehemaligen Hofburg findet er ein verschlossenes
Zimmer, dessen Tür aus einem Material besteht,
das niemand kennt. Als er sie öffnet, stolpert
er in einen Raum, in dem die Luft schwerer ist,
als wäre sie voller Erinnerungen. Ein alter Mann
mit schneeweißem Haar sitzt am Fenster, schaut
hinaus auf eine Stadt, die niemals existiert hat:
glatt, still, ohne Schatten.
Der Künstler fragt nach dem Ort. Der Mann sagt:
„Du bist im Nachkrieg. Aber nicht der, den du
kennst.“ Er reicht ihm ein Blatt Papier, auf dem
ein Datum steht: 1945. Doch die Uhr an der Wand
zeigt 1938. Die Regierung existiert nicht mehr.
Die Straßen sind leer. Keine Soldaten, keine
Flüchtlinge. Nur ein leises Summen, als warte
die Welt auf etwas, das nie geschehen wird.
Der Künstler versucht, zurückzukommen. Doch die
Tür bleibt verschlossen. Er beginnt zu zeichnen.
Jedes Bild, das er malt, verändert die Welt um
ihn herum. Eine Brücke baut sich, ein Bahnhof
erscheint, ein Kind läuft durch die Gassen. Doch
jedes Mal, wenn er versucht, die Zeit zu ändern,
verschwindet etwas anderes. Ein Name, ein
Gesicht, ein Moment.
Die Regeln sind klar: Jede Veränderung kostet
etwas. Nichts bleibt unberührt. Der Künstler
lernt, dass die Welt, in der er jetzt lebt,
nicht real ist, sondern ein Traum, der von
jemandem geschaffen wurde, der selbst vergessen
hat, wer er war.
Er malt eine letzte Szene: einen Mann, der auf
einer Almwiese steht, umgeben von einer Stille,
die niemals gebrochen wird. Die Stadt
verschwindet. Die Uhr bricht zusammen. Der
Künstler bleibt allein. Doch als er sich umdreht,
sieht er sich selbst — jünger, frischer, mit
einem Blick, den er nie kannte.
Die Zeitreise endet. Der Künstler erwacht in
seinem alten Zimmer, das jetzt leer ist. Der
Zeichenblock liegt auf dem Boden, leer. Doch in
der Ecke klebt ein Blatt Papier, auf dem ein
Name steht: „Erinnerung“. Und unter dem Namen,
ein Bild — eine Almwiese, ein Mann, ein
Schweigender Tag.


