Der BergdorfWirtin wird am Tag der

Herbsttagundnachtgleiche eine alte Karte in den

Händen gegeben. Sie zeigt einen unterirdischen

Tempel, versteckt unter dem Gletscher. Die Karte

ist mit rotem Blut geschrieben, das nach drei

Tagen trocknet und in den Stein eindringt.

Die Wirtin, eine Frau von knapp vierzig, hat nie

an Mythen geglaubt. Doch als sie den Tempel

findet, spürt sie, wie der Boden unter ihren

Füßen zittert. Ein Stein fällt aus der Decke,

enthüllt eine Treppe, die in die Dunkelheit

führt. Sie folgt ihr, trotz des Warnschreis

ihrer Tochter, die den Berg verlassen will.

Im Tempel finden sich Relikte aus einer Zeit,

als die Götter noch Menschen waren. Ein Altar

aus schwarzem Stein, umgeben von Kerzen, die nie

erlöschen. Die Wirtin berührt ihn – und hört

Stimmen, die sie nicht versteht. Als sie

zurückkommt, ist der Dorfplatz leer. Die Leute

sind verschwunden. Nur ein Mann bleibt, ein

Fremder, der ihr sagt: „Du hast den Schlüssel

gebrochen.“

Der Putschversuch beginnt zwei Tage später. Ein

junger Offizier, ein Vertrauter des

Bundeskanzlers, versucht, die Regierung zu

stürzen. Doch die Soldaten, die ihn unterstützen,

tragen Zeichen, die der Wirtin im Tempel bekannt

vorkommen. Sie erkennt sie an den gleichen

Blutflecken auf ihren Uniformen.

Die Wirtin versteckt sich im Stall, während die

Stadt in Chaos gerät. Sie hört, wie der Offizier

vor dem Rathaus spricht: „Die Götter haben uns

wieder gesehen!“ Doch als sie hinausgeht, sieht

sie nur Ruinen. Der Tempel ist verschwunden, als

wäre er nie da gewesen.

Am nächsten Tag wird sie verhaftet. Die Behörden

sagen, sie sei für den Putsch verantwortlich.

Sie widerspricht, aber niemand glaubt ihr. In

der Zelle schreibt sie auf die Wand: „Das Blut

des Berges hat uns geweckt. Es wird uns auch

töten.“

Als sie freigelassen wird, ist das Dorf zerstört.

Die Wirtin geht nach Wien, wo sie ein neues

Leben beginnt. Doch in den Nachrichten steht:

„Neue Anzeichen von altem Unheil.“ Sie weiß,

dass es noch nicht vorbei ist.