Im Herbst 1924 bricht auf dem Gutshof Riedlberg
ein Sturm los. Der alte Franz Riedl, ein einst
mächtiger Bauernherr, steht vor der ersten Ernte
seines Lebens – doch die Ernte ist nicht aus
Getreide, sondern aus Schmerz. Sein Sohn Johann,
ein radikaler Syndikalist, hat sich mit den
Bauern des Nachbarschaftsverbands verbündet, um
das Gut zu enteignen. Die Gemeinde, gespalten
durch politische Ideologien, wird zur Arena
einer Blutfehde.
Die Verwaltung der Republik schickt keine
Polizei, nur eine Kommission, die den
Besitzvertrag prüft. Doch die Rechtslage ist
undurchsichtig. Der Alpenkrimi um die
Bodenrechte verschärft sich, als Johann Riedl in
einem Streit mit dem Nachbarn, dem konservativen
Landwirt Hubert Mayer, tot aufgefunden wird. Die
Beweise sind fragil, aber die Trauer überlagert
die Wahrheit.
Franz Riedl, gezeichnet von altem Kriegstrauma
und der Erinnerung an die Habsburger, verlässt
das Gut. Er wandert in die Wiener Industrie, wo
der soziale Abstieg ihn wie einen Fremden
behandelt. In den Fabriken der Umbruchzeit, wo
die Arbeiter sich gegen ihre Unterdrücker
erheben, findet er keine Ruhe. Stattdessen
erkennt er, wie die gleiche Machtlosigkeit ihn
selbst erfasst.
Zurückkehrend, entdeckt er, dass das Gut bereits
verpfändet ist. Die Familie Mayer, nun im Besitz
von Riedlberg, plant, es an einen Berliner
Investor zu verkaufen. Die Blutfehde, die einst
über Leichen gegangen war, endet damit, dass
kein Blut mehr fließt – nur die Erde unter den
Füßen zerbricht.
Der verbitterte Patriarch blickt auf das leere
Feld, wo einst seine Macht lag. Die Umbruchzeit
hat nicht nur Monarchien zerstört, sondern auch
die Sehnsucht nach Heimat. Ein letzter Schritt
bleibt: Das Gut verlassen, die Ernte der
Schatten hinter sich lassen.


