Im Jahr 1923 bricht der letzte Rest der

Habsburgischen Ordnung zusammen. Die Stadt Wien

wird von Streiks, Hunger und Unruhe erschüttert.

In einem Viertel am Rand des Stadtkerns lebt

Maria, eine Hebamme mit einer schmalen Nase und

einem Blick, der niemals nachgibt. Sie hat den

Tod vieler Kinder gesehen, doch nie den eines

Erwachsenen – bis zu dem Tag, an dem ein Mann in

Uniform ihr Haus betritt.

Der Mann ist ein Offizier der neu gegründeten

Republik, aber er trägt keinen Rang. Er bringt

einen Brief mit sich, der sie verheiraten will

mit einem Mann, den sie nicht kennt. Der Vertrag

ist kein Spiel: ihr Bruder liegt im Gefängnis,

seine Freilassung hängt an ihrer Zustimmung.

Maria weigert sich, doch der Mann sagt nichts

mehr. Er geht. Am nächsten Tag wird ihr Bruder

freigelassen, aber sein Gesicht ist leer, als

hätte man ihm etwas gestohlen.

In den folgenden Wochen wird Maria zum Symbol

für die Unzufriedenheit der Frauen. Die

Zeitungen sprechen von "neuen Rollen",

doch die

Realität bleibt brutal. Sie wird zur Hebamme in

einer neuen Kolonie, wo die Regierung neue

Familien bildet, um die Bevölkerungszahl zu

erhöhen. Die Frauen werden ausgewählt, nicht aus

Liebe, sondern aus Not. Maria wird mit einem

Bauern aus dem Salzkammergut verheiratet, ein

Mann, der sie nie berührt, aber ihr Kind trägt.

Doch der Krieg ist noch nicht vorbei. In den

Wäldern um den See herum beginnen Spionage und

Sabotage. Maria wird beobachtet, ihre Briefe

geöffnet. Ein Nachbar, ein ehemaliger Lehrer,

erzählt ihr von einem Geheimnis: die Regierung

plant, alle Frauen ohne Kinder zu deportieren.

Sie muss fliehen, aber ihr Mann hat den

Schlüssel zu ihrem Haus. Sie bleibt, obwohl sie

weiß, dass es falsch ist.

Im Herbst 1925, während der letzten großen

Demonstration der Republik, wird Maria gefangen

genommen. Sie wird in ein Lager geschickt, wo

die Frauen in Zellen sitzen und auf Befehle

warten. Doch im Dunkel des Lagers findet sie

einen anderen Weg. Sie nutzt ihre Kenntnisse, um

eine Schwangere zu retten, und wird dadurch zur

Flüchtigen. Die Regierung erklärt sie zur

Verräterin, doch die Menschen wissen, wer sie

ist. In den Straßen wird ihr Name gesprochen wie

ein Fluch und ein Versprechen.

Als der Winter kommt, wird Maria in einer Höhle

im Alpengebirge gefunden. Sie hat ein Kind

geboren, das niemand kennt. Das Kind wird in

einer Bergknechtefamilie untergebracht, und

Maria verschwindet. Doch ihr Name bleibt. In den

Jahren danach wird sie als Legende erzählt, eine

Frau, die die Grenzen zwischen Pflicht und

Wunsch durchbrach. Die Identitätskrise der Zeit

wird nicht gelöst, aber sie wird nie vergessen.